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Bildwörterbuch - Namenwörter

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Ein Kinderbuch in der Sprache Jesu

Augsburger Familienvater will das Aramäische vor dem Aussterben bewahren

Von Jutta Olschewski

Wenn die achtjährige Lea und ihre fünfjährige Schwester Yilda in Augsburg auf dem Hof mit den Fahrrädern ihre Runden drehen, rufen und albern sie selbstverständlich auf Deutsch. Auch Habib, ihr siebenjähriger Bruder spricht mit den Mädchen im Kinderzimmer Deutsch. Aber wenn ihre Großmutter zu Besuch kommt, müssen die Kinder der Familie Isler auf Aramäisch umschalten - was ihnen nicht immer leicht fällt. Die Sprache, eine mehr als 3.000 Jahre existierende Kultursprache aus dem Orient, die mit der Hebräischen verwandt ist, wird nicht mehr von vielen Menschen beherrscht.

Den Augsburger Familienvater Cano Isler hat es schon immer geärgert, dass seine Kinder die Sprache ihrer Eltern immer mehr vergaßen, sobald sie den Kindergarten besuchten. "Seit Jahrhunderten gibt es für unsere Sprache keinen geregelten Unterricht", bedauert Isler.

Die Vorsitzende der Stiftung zum Erhalt des aramäischen Kulturerbes, Selva Can (Berlin), schätzt, dass etwa 80.000 Aramäer in Deutschland die Sprache "mehr oder weniger gut" sprechen. "Bei den Kindern sieht es aber nicht gut aus", ergänzt Can. Die Sprache, die auch Jesus gesprochen haben soll, werde verlorengehen, wenn nicht der Unterricht schon im Kindergartenalter beginne.

Islers Buch soll das Erlernen des Aramäischen jetzt leichter machen: Die aramäischen Begriffe stehen in syrischer Schrift und in Lautschrift. Das Buch ist aufgeteilt in Kategorien wie Mensch, Natur, Haushalt oder Fahrzeuge.

Vom Wort "Auge" (cayno) bis zur "Zucchini" (qar’o) über den "Regenschirm" (mtaltho) bis zum "Vogelnest" (qeno d’sefro) sind über 300 Abbildungen in dem Buch enthalten, schon Kleinkinder können diese Vokabeln lernen, vorausgesetzt es liest sie ihnen jemand vor. Dem Jüngsten in der Familie Isler, dem sechs Monate alten Simon, können Lea, Yilda und Habib also bald die vielen bunten Bilder erklären.

Lea bringt ein orangefarbenes Arbeitsheft, in das sie schon fleißig die Buchstaben des syrischen Alphabets eingetragen hat. Wie es sich für diese Schrift gehört, hat sie ihre Übungen auf der letzten Seite begonnen und schreibt von rechts nach links. Auch dieses Heft hat ihr Vater entworfen.

Der gelernte Diplomingenieur für Elektrotechnik arbeitet derzeit an einem zweiten Bilderbuch, in dem die wichtigsten Verben erklärt werden sollen. "Um der Entwurzelung der aramäischen Sprache entgegenzuwirken", davon ist Isler überzeugt, müsste noch mehr Lehrmaterial erscheinen.

Cano Isler ist als Kind vor 35 Jahren aus dem Tur Abdin nach Augsburg gekommen. Seine Familie und die seiner Ehefrau Rita gehören zu den syrisch-orthodoxen Christen, die aus ihrer Heimat im Südosten der Türkei im Laufe der Jahrhunderte vertrieben wurden oder geflohen sind. Heute leben in der gebirgigen Gegend noch schätzungsweise etwa 2.000 Christen.

http://www.epv.de/node/4566



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